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Kommunizieren mit Mund- und Nasenschutz, eine neue Herausforderung, aber möglich

In „7 goldenen Regeln“ erläutert Frau Bianca Kessel, Diplompädagogin, wie dennoch ausdrucksstarke Gespräche in dieser Zeit gelingen. Wir danken an dieser Stelle Frau Kessel, dass wir ihren Text auf unserer Homepage veröffentlichen dürfen.

Kommunizieren mit Mund- und Nasenschutz
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So gelingen Ihnen ab sofort ausdrucksstarke Gespräche mit Gesichtsmaske in Kita, Schule, Hort und OGS (Bianca Maria Kessel)

In Zeiten von Covid-19 ist mit der Einführung der Pflicht zum Tragen eines Mundschutzes und dem Einhalten des Mindestabstandes nun auch unser bisher gewohnter, professionell-kommunikativer Umgang mit Kindern, Eltern und im Kollegenkreis stark eingeschränkt.

Wir sind plötzlich gezwungen, aus der Distanz und Ferne heraus miteinander zu kommunizieren, wo wir sonst Nähe gewohnt waren. Der Zugriff auf die Nutzung digitaler Medien und Methoden wie Video- und Telefonkonferenzen ist für Viele im pädagogischen Team und auch für Leitungen gänzlich neu und ungewohnt. Besonderheiten der Gesprächsführung aus der Distanz heraus. Sowohl das Einhalten eines Mindestabstandes als auch das Tragen einer Gesichtsmaske im öffentlichen Raum ist uns in unserem europäischen Kulturkreis eher unbekannt.

Sicherlich geht es vielen von uns so, dass wir uns besonders in unserer Ausdrucksfähigkeit über die nicht sichtbare Gesichtsmimik extrem eingeschränkt fühlen. Lediglich der Auge-Stirn-Bereich ist für unser Gegenüber noch deutlich erkennbar. Kein Lächeln, keine Veränderungen der unteren Gesichtsmuskulatur, kein Mundwinkelzucken hilft uns weiter, um das Gehörte im Gespräch besser interpretieren zu können. Deshalb werden Sie schnell feststellen, dass Sie sich in professionellen Gesprächen mit Eltern oder Kollegen, beim Unterrichten oder in Teamsitzungen, auf eine ganz neue Weise sehr konzentrieren müssen, denn unsere Sinne passen sich dieser veränderten Wahrnehmungsfähigkeit nur langsam an. Verstärken Sie deshalb Ihre übrigen Ausdrucksweisen im Gespräch.

Damit sich die Missverständnisse im Gespräch aufgrund des räumlichen Mindestabstandes und insbesondere der fehlenden Mimik nicht häufen, aktivieren Sie ab sofort weitere, vielfältige Ausdrucksmöglichkeiten, um Ihre Aussagen zu verstärken.

Mit den nachstehenden sieben goldenen Regeln erhalten Sie von mir wichtige Tipps, die Sie sofort in Ihrem pädagogischen Arbeitsalltag umsetzen können. 

7 goldene Regeln für ausdrucksstarke Gespräche mit Gesichtsmaske

Regel 1: Erklären Sie Ihrem Gegenüber, wie Sie das Gespräch trotz Gesichtsmaske ausdrucksstark führen werden
Wahrscheinlich tragen Sie alle nun im Gespräch eine Gesichtsmaske. Das ist ein ungewohntes Gefühl, in dem Sie bisher noch keine Routine haben. Gehen Sie ruhig davon aus, dass es auch für die anderen eine neue Situation ist, in der Sie sich alle zurechtfinden müssen. Erklären Sie deshalb Ihrem Gesprächspartner, dass Sie sich in der Gesprächsführung vor allen Dingen darauf konzentrieren werden, sich verständlich auszudrücken. Benennen Sie auch, dass nun mehrfaches Nachfragen und Wiederholungen wahrscheinlich zum Gespräch dazugehören werden, schließlich wirkt die Maske wie eine Sprachbarriere, die es zu umgehen gilt. Auf diese Weise stellen Sie nicht nur eine verständnisvolle Verbindung zueinander her, sondern tragen auch dazu bei, dass sich Ihr Gegenüber in der neuen Situation ein Stück sicherer fühlt.

Regel 2: Sprechen Sie langsamer, lauter und deutlicher als bisher
Egal, aus welchem Material Ihr Mundschutz ist: Wie ein Schwamm saugt er Wortendungen, kurze Wörter und viele Töne auf, sodass sich Ihre Sätze plötzlich stumpf und undeutlich anhören.
Ihr Gesprächspartner muss sich extrem anstrengen, um genau zu verstehen, was Sie hinter der Maske sagen. Diese zusätzliche Aufgabe ist nicht nur energiezehrend, sie erfordert auch ein Höchstmaß an zusätzlicher Konzentration.
Helfen Sie Ihrem Gegenüber, in dem Sie langsamer, lauter und deutlicher sprechen, als es für Sie üblich ist. Legen Sie zwischen Ihren Sätzen immer auch bewusste Atempausen ein. Das hilft Ihnen dabei, Ihr Sprechen zu kontrollieren. Sie werden schnell feststellen, dass Sie sich weniger wiederholen müssen, weil Ihr Gesprächspartner Sie besser versteht.
Ein weiterer Tipp für Sie: Verzichten Sie unbedingt auf lange, ausufernde Sätze. Bereits „in normalen Zeiten“ fällt es uns nicht leicht, den Inhalten langatmiger Schachtelsätze zu folgen. Nun, da unsere Sprache mit einer künstlichen Barriere versehen ist, empfehle ich Ihnen stattdessen, kurze Aussagen zu treffen. Außerdem regulieren Sie auf diese Weise Ihre Atemluft leichter, für die Sie hinter der Maske deutlich mehr Kraft beim Ein- und Ausatmen aufwenden müssen.

Regel 3: Lächeln Sie häufiger und bewusster hinter Ihrem Mundschutz
Wir transportieren mit unserer Sprache gleichzeitig auch unsere Stimmungslage. Gerade ein Lächeln ist eine besonders gute Möglichkeit, aus der Distanz heraus Zugewandtheit und Wertschätzung zu transportieren, und beruhigend zu wirken. Unsere Stimme wird sofort sanfter, heller und freundlicher, sobald wir etwas „durch ein Lächeln sagen.“  
Ein „Erinnerungs-Smiley“, den Sie auf den Tisch vor sich kleben, unterstützt Sie dabei, Ihr schönstes Lächeln immer wieder zu aktivieren.
Dieser Tipp funktioniert auch während eines Telefonates: Seien Sie deshalb sicher, dass Ihr Lächeln immer gehört wird, auch wenn es nicht zu sehen ist.

Regel 4: Nutzen Sie unbedingt auch die Ausdruckskraft Ihrer Augen, der Augenbrauen und der Stirn
Wussten Sie, dass auch unsere obere Gesichtspartie sehr aktiv an unserer zwischenmenschlichen Kommunikation beteiligt ist? Wir tun es, jedoch oft ohne Bewusstsein dafür.
Sicher kennen Sie das Sprichwort, das besagt, dass unsere Augen der Spiegel unserer Seele sind. Dieser sprichwörtliche Augenausdruck lässt Andere daher schnell erkennen, ob wir auch meinen, was wir sagen. Wir wirken nur dann authentisch, wenn diese Übereinstimmung deutlich beim Anderen ankommt (Kongruenz). Selbst klitzekleine Abweichungen im Augenaufschlag, ein feines Stirnrunzeln oder eine Bewegung der Augenbrauen unterstreichen bzw. verändern das, was wir mitteilen.
Machen Sie sich dieses Wissen zunutze und prüfen Sie Ihr Mimikspiel. Stellen Sie sich mit Gesichtsmaske vor den Spiegel und schauen Sie sich bewusst an: Wie sind Ihre Augenbrauen und Ihre Stirn, wenn Sie fröhlich lächeln? Wie schaut Ihre Stirnpartie aus, sobald Sie verblüfft, fragend, verärgert und konzentriert auf eine Sache sind? Üben Sie Ihr Mimikspiel ein, damit Sie auch hier an Ausdrucksvielfalt hinzugewinnen.

Regel 5: Verstärken Sie Ihre Aussagen mit der Aussagekraft Ihrer Hände
In vielen Kulturen sind die Hände an der zwischenmenschlichen Kommunikation stark beteiligt. Denken Sie an die Italiener, die regelrechte Geschichten lebhaft und voller Energie mit den Händen erzählen. Wie können Sie davon lernen und davon profitieren, dass Sie Ihre Dialoge mit der Gestik Ihrer Hände konkret unterstreichen? Welche Handbewegungen passen gut zu Ihnen, welche Ausdrucksformen der Hände sind in Ihren professionellen Gesprächen unterstützend und für den Gesprächsverlauf hilfreich? Worauf sollten Sie verzichten, um Ihre Gesprächspartner nicht zu irritieren? Beantworten Sie auch diese Fragen, indem Sie sich Zeit nehmen, sich vor den Spiegel stellen und sich einfach ausprobieren. Üben Sie sich in diesen weiteren Möglichkeiten des körperlichen Ausdrucks, wie es Schauspieler auch tun.

Regel 6: Übersetzen Sie Ihre fehlende Gesichtsmimik in Sprache
Immer, wenn wir im Gespräch beteiligt sind, „spricht unser Gesicht Bände“. Wir erkennen im Gesicht des Anderen, ob er nachdenkt, etwas nicht versteht, zögert, zustimmt, irritiert ist, oder erfreut ist über das Gehörte.
Das, was nun an Mimik Ihres Gesichtes durch die Maske versteckt wird, können Sie hervorholen, in dem Sie Ihre Sprache nutzen und stattdessen ganz konkret ansprechen, was Sie gerade bewegt, etwa so: „Auch, wenn es für Sie jetzt schwer erkennbar ist, ich lächle gerade sanft, weil…“ oder „Ich bin gerade sehr nachdenklich, das können Sie vielleicht jetzt nicht direkt sehen, deshalb sage ich es Ihnen…“ oder auch „Ich frage mich gerade, …“ bzw. „Ich habe gerade das Gefühl, …“ und „Ich denke im Moment, …“.
In dem Sie beschreiben, was Ihnen gerade durch Kopf und Herz geht, unterstützen Sie auf einfache und wirkungsvolle Weise das gegenseitige Verstehen. So schaffen Sie eine gefühlvolle sprachliche Verbindung, die sonst für einen förderlichen Gesprächsverlauf ungenutzt bleiben würde.

Regel 7: Üben Sie Ihre Dialoghaltung als Körpersprache vor dem Spiegel ein
Weil wir immer wahrnehmen, ob das, was der andere sagt, auch mit dessen Haltung übereinstimmt, ist es gerade jetzt von unschätzbarem Wert, wenn Sie sich ganz bewusst in Ihrer Körpersprache üben.
Sie brauchen dazu nur ein Notizbuch, einen Spiegel sowie einen Stuhl und setzen Sie Ihren Mundschutz auf. Versetzen Sie sich jetzt gedanklich in eine typische Gesprächssituation mit Kollegen oder Eltern. Setzen Sie sich so auf den Stuhl vor den Spiegel, dass Sie körpersprachlich Ihrem Gesprächspartner gegenüber Offenheit, Dialogbereitschaft und Zugewandtheit ausdrücken, auch unter dem Einhalten des Mindestabstandes. Bewerten Sie Ihre Wirkung auf sich selbst: Ist Ihre Körperhaltung dialogfördernd?
Wenn Sie zufrieden sind, dann nehmen Sie Ihre Hände dazu und drücken Sie auch mit diesen Ihre Offenheit, Dialogbereitschaft und Zugewandtheit aus. Lernen Sie darüber hinaus, welche Ihrer Körperhaltungen Sie abweisend und distanziert erscheinen lassen. Das gelingt Ihnen, wenn Sie sich ganz bewusst in diese unliebsame Rolle hineinversetzen. Beobachten Sie auch hier immer wieder, wie Sie auf sich selbst wirken. Schreiben Sie sich jede Körperhaltung, die förderlich ist, ähnlich einer Liste, in Ihr Notizbuch auf, oder alternativ auch mit einem abwischbaren Kreidestift auf den Spiegel. Ein Smiley als Überschrift hilft Ihnen dabei, sich an das Positive zu erinnern.
Die körpersprachlichen Ausdrucksformen, die Sie ablegen wollen, schreiben Sie ebenfalls als Liste auf und streichen Sie diese dann bewusst mit einem roten Stift ganz einfach durch. Sie werden sehen, dass Sie diese unliebsamen Verhaltensweisen bald nicht mehr nutzen, weil Sie Ihre Kompetenzen im Zeigen positiver Körpersprache nun stark weiterentwickelt haben.

Zum Abschluss: Nutzen Sie diese besondere, herausfordernde Zeit, um Ihre Gesprächskompetenzen aktiv zu erweitern. Der Zugewinn an kommunikativen Fähigkeiten wird sich besonders dann zeigen, wenn wir alle wieder „Gesicht zeigen dürfen“ und wir unsere neu gewonnenen Fähigkeiten bis dahin in unserer Berufsrolle sicher und überzeugend eingeübt haben.

Viel Spaß beim Lernen wünscht Ihnen

Ihre

Bianca Kessel

 

  • Lernferien NRW - Herbstferien 2020

    Mit den LernFerien Nordrhein-Westfalen erhalten Schüler*innen ein Angebot der individuellen Förderung. Während des Aufenthaltes an außerschulischen Lernorten werden sie intensiv durch qualifizierte Fachkräfte betreut. In den Osterferien 2008 erstmals durchgeführt, werden zurzeit die Schwerpunkte "Lernen lernen" und "Begabungen fördern" angeboten.

    Interessenten wenden sich bitte zeitnah an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 

  • Bonns Fünfte beim „Stadtradeln 2020"

    Auch in diesem Jahr gibt es vom 20.09. bis 10.10. wieder das „Stadtradeln", an dem unsere Schule in der Vergangenheit schon teilgenommen hat. Alle, die in Bonn wohnen, arbeiten, zur Schule gehen oder studieren, können bei dieser Aktion drei Wochen lang für Klimaschutz, Radverkehrsförderung und eine lebenswerte Stadt in die Pedale treten. Sie sammeln Kilometer für Ihr Team und unsere Stadt. Wir haben ein Team „Bonns Fünfte" angelegt, unter dem alle, die sich dieser Schule zugehörig fühlen, gerne teilnehmen können. (Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Mitarbeiter, Eltern, Freunde, etc.)

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    Stadtradeln

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  • Elterninfo – Wenn mein Kind zuhause erkrankt - Handlungsempfehlung

    Das Schulministerium NRW rät: Vor Betreten der Schule, also bereits im Elternhaus, muss abgeklärt sein, dass die Schülerinnen und Schüler keine Symptome einer COVID-19-Erkrankung aufweisen. Sollten entsprechende Symptome vorliegen, ist eine individuelle ärztliche Abklärung vorrangig und die Schule zunächst nicht zu betreten.

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